Mein Roman „Den Traum im Blick“

Nach und nach ist nun überall mein Roman „Den Traum im Blick“ erhältlich, den ich nach 7 ½ Jahren Arbeit nun als Selfpublisherin veröffentlicht habe. Ich war es leid, zu hören, dass der Roman über die Schauspielerin Herti Kirchner wegen des männlichen Protagonisten nicht ins Programm passe. Ok, ich hatte am Ende sogar zwei Verlage, den einen wollte ich nicht, da hatte ich mich wohl mit dem Programm vertan, und der andere soll verkauft werden, weshalb neue Projekte doch nicht realisiert werden. Als mir dann klar wurde, dass ich in diesem Jahr 60 werde, habe ich entschieden, dass dieser Geburtstag der Anlass ist, um das Buch einfach zu realisieren.

Die Geschichte in „Den Traum im Blick“

Und darum geht es in dem Buch: Der Journalist Alexander Halbersberg (von mir erfunden) möchte seinem Vater zeigen, dass er ein besserer Journalist als Arzt werden wird. Um das zu erreichen, hat er die Idee, sich an die Fersen einer Schauspielerin zu heften und als ihr Biograf berühmt zu werden. Blöderweise reist Marlene Dietrich genau an dem Abend nach Hollywood, als er diese Idee hat. Aber da ist die junge Herti Kirchner (die wirklich gelebt hat) aus seiner Heimatstadt Kiel, die schon kurz nach ihrem Auftreten in Berlin die erste Hauptrolle in einem Film hat. Und sie ist schnell gut vernetzt in der Szene. Sie soll sein Sprungbrett in den Journalistenhimmel werden. Er schafft es sogar, sie kennenzulernen und ist auf einem guten Weg, da schlägt die Zeitgeschichte zu. Hitlers Machergreifung und seine Politik hat Auswirkungen auf die Filmbranche und sein Leben. Doch er behält wie sein Idol Herti Kirchner „Den Traum im Blick“ und bewältigt dabei scheinbar unüberwindliche Hindernisse. Ob sich sein Traum erfüllt, verrate ich hier natürlich nicht – schließlich möchte ich, dass das Buch gekauft wird 😊

Specials, die ich mir gegönnt habe

Einen Verlag störte nicht nur der männliche Protagonist, ihm gefielen auch die kleinen Artikel nicht, die ich Alexander Halbersberg über Herti Kirchner und kulturelle Ereignisse in seiner Zeit schreiben lasse. Ich finde, das passt gut zur Story, ich kann auch Informationen vermitteln, die ich im Roman sonst nicht unterbringen könnte und vor allem kann ich Eindrücke weitergeben, die mich bei der Recherche beschäftigt und berührt haben. Ich habe mir außerdem geleistet, dass eine Kurzgeschichte von Herti Kirchner komplett abgedruckt wird und auch das hat seinen Grund. Herti Kirchner war von 1933 bis 1939 mit Erich Kästner liiert. Deshalb hat ein Literaturwissenschaftler vor einigen Jahren die These aufgestellt, dass die beiden Kinderbücher, die sie geschrieben hat, in Wirklichkeit von Erich Kästner verfasst wurden. Mit dem Abdruck der Geschichte möchte ich nebenbei zeigen, dass sie sehr wohl schöne Ideen für Erzählungen hatte und auch schreiben konnte.

Zur Entstehung des Romans

Wie mein Roman „Brandbücher“ hat auch „Den Traum im Blick“ eine lange Geschichte. Sie beginnt Anfang der 90er Jahre, da habe ich mit einer Dissertation über Erich Kästner und seine Jugendzeitschrift „Pinguin“ promoviert. 1998 durfte ich das dtv-Magazin zum 100. Geburtstag des Autors schreiben und seit 1999 habe ich die Website www.kaestner-im-netz.de. Dadurch wurde der einzige direkte Nachfahre von Herti Kirchner auf mich aufmerksam. Er hat mich Anfang 2015 kontaktiert und mir angeboten, ihren Nachlass bei ihm zu Hause einzusehen. Ich war gleich elektrisiert und war am 24. März 2015 zum ersten Mal dort und habe die Briefe fotografiert und einige Werke und Korrespondenz mit Verlagen o. ä. Danach habe ich zuerst die fast 300 Briefe mit ca. 1.000 Briefseiten abgetippt – und größtenteils aus Sütterlin-Handschrift übertragen. Die Briefe haben mich einerseits neugierig gemacht auf Schauspieler und andere Prominente aus den 30er Jahren und natürlich auf die Filme und Theaterstücke, an denen Herti Kirchner mitgewirkt hat. Die Recherche ist längst nicht abgeschlossen, erst nach Druck des Buches habe ich z. B. nach langer Suche endlich den Namen eines Musikers herausgefunden, mit dem sie einen Abend in Berlin verbracht hat. Nachdem ich einen Überblick hatte, habe ich lange gebraucht, um eine literarische Form zu finden, die für mich passt – und das war keine klassische Romanbiografie, das wusste ich sehr schnell.

Meine literarische Form statt Romanbiografie

Ich wusste vom ersten Lesen der Briefe von Herti Kirchner, dass ich ihren Weg als Schauspielerin unbedingt in einem Roman umsetzen wollte. Mich hat beeindruckt, wie konsequent sie auf ihr Ziel hingearbeitet hat, in einer Zeit, in der das nicht leicht war. Die Branche war unsicher, was in dem politischen Umfeld möglich war – es war auch tatsächlich sehr widersprüchlich wie in der Kunst insgesamt. Aber sie hat es geschafft und am Ende so viel verdient, dass sie sich Anfang 1939 einen weiteren Wunsch erfüllen konnte, ein eigenes Auto. In ihren Briefen beschreibt sie auch ihren Alltag, aber mir war schnell klar, dass ich keinen Roman schreiben konnte, in der ich ihr Verhaltensweisen, Gedanken und Dialoge andichtete. Das lag einerseits daran, dass ich nach der intensiven Beschäftigung mit den Briefen das Gefühl hatte, sie sei eine Freundin, ich dachte und denke auch immer nur als „Herti“ von ihr. Andererseits kenne ich die Angehörigen und fand es unmöglich, mir etwas über deren Tante auszudenken. Irgendwann dachte ich, jetzt schreibe ich einfach einen Roman über die Entdeckung der Briefe. Aber das war mir zu einfach und hatte zu wenig Dynamik. Dann war mir klar, ich brauche jemanden, der das Leben von Herti Kirchner beobachtet, wie durch ein Schlüsselloch – anfangs sollte es ein Postbote sein 😊 Aber da wäre die gesamtgesellschaftliche Situation zu kurz gekommen. Als ich wusste, dass ich einen Journalisten auf sie ansetzen musste, habe ich mich gefragt, wieso ich nicht sofort auf den Gedanken gekommen bin. Das war für mich die einzige sinnvolle Lösung, um auch unabhängig von Herti Kirchner die Probleme jener Zeit von 1933 bis 1939 aufzugreifen. Für mich war klar, dass in einem Roman aus den 30er Jahren auch der strukturelle Antisemitismus vorkommen muss, zumal Herti ihn in ihren Briefen mehrmals beschrieben hat.

Eigentlich wollte ich jetzt noch über das Selfpublishing schreiben, aber dann wird der Beitrag doch zu lang. In Teil 2 werde ich also berichten, wie die Geschichte zwischen die Buchdeckel kam und was ich tue, damit das Buch eine Verbreitung über Hagen hinaus findet. Weitere Informationen über Herti Kirchner finden sich schon jetzt auf meiner Seite www.kaestner-im-netz.de © 2022 Dr. Birgit Ebbert www.birgit-ebbert.de

Wer das Buch ganz dringend bestellen möchte, ehe es in der eigenen Buchhandlung ist, hier bei Tredition sind alle drei Varianten (Hardcover, Softcover und E-Book) bereits erhältlich.